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Magazin der Schüßler-Plan Gruppe

Ausgabe 21 | 2023 Das Schüßler-Plan Prinzip

Interview l Karriere

Wir wollen die Wertigkeit jeder Karriere unterstützen

Fachkarriere ist bei Schüßler-Plan keine Nische, sondern gehört zum Standard. Das Unternehmen bringt Diversität in die Karrierepfade. Ein Gespräch mit Rafael Casser, Geschäftsführender Gesellschafter der Düsseldorfer Ingenieurgesellschaft und Leiter des Büros in Köln.

Herr Casser, wie sieht eine Karriere bei Schüßler-Plan aus?

Unser Ziel ist es, zu erkennen, was jede*r Einzelne kann und möchte. Mitarbeitende können bei uns ihren ganz individuellen Weg gehen und das muss auch nicht immer der einer „steilen“ Karriere sein. Wir brauchen diverse Teams und wenn nicht jeder übergeordnete Verantwortung übernehmen möchte, ist das auch vollkommen in Ordnung. Wenn wir jetzt doch einmal auf die Karriereleiter blicken, haben wir im Prinzip drei Säulen: Die erste ist die traditionelle Führungskarriere, die zweite die Fachkarriere und die dritte beinhaltet die Großprojekte beziehungsweise die Integration in neue Vertragsmodelle oder interdisziplinäre Zusammenarbeit. Diese drei Säulen fördern wir gleichermaßen. Das Know-how auf Ebene der Projektleitung bildet die Basis für alle weiteren Karriereschritte. Danach erfolgt eine Spezialisierung und die Entscheidung, ob man sich in Richtung Führungskarriere, Fachkarriere oder Großprojekte innerhalb der Firma bewegen möchte.

Wie unterscheidet sich die Fachkarriere von der Führungskarriere?

Wir entwickeln die Fachkarriere aus der Neigung der Person heraus. Die Fachkarrieren stehen den anderen operativen Einheiten beratend zur Verfügung. Sie sind in ihrer Funktion nicht unmittelbar für den Projekterfolg verantwortlich, sondern dafür, dass die fachliche Qualität in dem Projekt stimmt. Sie sind also nicht nur in eigene Projekte eingebunden, sondern unterstützen mit ihrem spezifischen Know-how maßgeblich Projekte aller.

Und wie läuft eine Führungskarriere typischerweise ab?

Traditionell kommen die Ingenieur*innen als Absolvent*innen zu uns. Sie werden in den ersten Jahren in fachlichem und methodischem Know-how sowie Softskills geschult. Die klassische Entwicklung danach, die Führungskarriere, zielt darauf ab, dass man von der Projektleitung zur Teamleitung aufsteigt, gegebenenfalls weiter zu höheren Leitungsfunktionen. Das ist aber ein höchst individueller und bei über 1.000 Mitarbeitenden zugegebenermaßen nicht alltäglicher Werdegang.

Was ist gute Führung bei Schüßler-Plan?

Führung bedeutet, ein Vorbild zu sein und Kolleg*innen dahin zu bringen, etwas zu leisten und sich persönlich weiterzuentwickeln. Dazu muss man Arbeit und damit Verantwortung abgeben, aber auch helfen oder Dinge erklären und die Mitarbeiter*innen so betreuen, dass sie selbstständig arbeiten können. Man muss Empathie haben, sich auf Menschen einlassen und lernen, sie einzuschätzen. Am besten ist eine Führung, wenn sie nicht mehr gebraucht wird und sich selbst neuen Aufgaben stellen kann, um das Portfolio zu erweitern. Der klassische Führungsweg wird aber der Vielfalt der Charaktere, die wir haben, und letztlich auch der Vielzahl der Anforderungen des Marktes, nicht gerecht. Wenn wir merken, dass sich jemand persönlich weiterentwickeln möchte, werden wir dies aufgreifen und im Rahmen der drei zuvor genannten Säulen Möglichkeiten aufzeigen. Wir wollen die Wertigkeit jeder Karriere unterstützen.

Zu Beginn sprachen Sie auch von Karrieren als Großprojektleiter. Großprojekte werden inzwischen vermehrt als Integrierte Projektallianzen (IPA-Projekte) umgesetzt. Worum geht es bei diesen neuen Vertragsmodellen?

Hier findet man sich für eine Aufgabe in einem Team aus Auftraggeberschaft, Baufirma und Planer*innen zusammen. Das bisherige Miteinander in Großprojekten ist davon geprägt, dass jeder der Vertragspartner primär für seine Interessen eintritt. Das ändert sich grundlegend bei den IPA-Projekten. Wir kommen weg von Zweiparteienverträgen (zum Beispiel zwischen Auftraggeber und Baufirma oder Auftraggeber und Planungsbüro) hin zu einem Mehrparteienvertrag, wo alle in einem Boot sitzen. Dabei arbeitet man in einem größeren Team und zum Teil auch für andere Firmen und die Bauherr*innen selbst unter der einen Maxime „best for project“.

Welche anderen Fähigkeiten als Führungs- oder Fachkompetenz sind bei diesen integrierten Projektallianzen gefragt?

Hier ist das Agieren im Team schwieriger als bei der internen Führungskarriere, wo ich alle kenne. Es geht in erster Linie um integrative Fähigkeiten in einer fremden Umgebung. Diese Personen müssen einerseits eine hohe Empathie haben und sich andererseits durchsetzen können. Jeder muss in dieser Zusammenarbeit seine Interessen einbringen und zugleich die anderen Interessen hören und wahrnehmen. Man muss also auch „Fachkenntnisse“ im zwischenmenschlichen Miteinander mitbringen – insbesondere in Großprojekten.

Wie können sich Ihre Mitarbeiter*innen in den drei Modellen Führungskarriere, Fachkarriere und Großprojekte fortbilden?

Wir sind stetig dabei, unsere Schüßler-Plan Akademie weiter auszubauen und entwickeln momentan oberhalb der Projektleitungsebene Schulungsprogramme, die diesen drei Säulen gerecht werden. Je nach Ziel werden die internen Angebote durch externe Schulungen ergänzt. Für die Großprojekte ist zum Beispiel eine Mediatorenausbildung eine sinnvolle Zusatzqualifikation. Gezielte Forderung und Förderung findet aber auch abseits von Schulungen statt, wie beispielsweise im Rahmen unserer Fachbereichstreffen oder unserer interdisziplinären Arbeitsgruppen zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Dass wir dabei den Team-Gedanken nicht aus dem Fokus nehmen, wird durch unsere Lehraufträge an Universitäten und Fachhochschulen deutlich, in denen wir unser Wissen an die zukünftigen Ingenieur*innen weitergeben.

Inwieweit begreifen Sie dieses Karrieremanagement als eine strategische Chance für Schüßler-Plan?

Wir betrachten die Diversifizierung als Chance, die Weiterbildungsmöglichkeiten in unserer Firma zu erweitern. Wir wollen die Menschen da abholen, wo sie ihre Stärken haben, mit ihnen in einen Dialog treten, das abgleichen mit dem, was der Markt von uns verlangt und anschließend gemeinsam einsortieren.

Interview / Marie Bruun Yde
Fotos / Theodor Barth