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Magazin der Schüßler-Plan Gruppe

Ausgabe 21 | 2023 Das Schüßler-Plan Prinzip

Interview | Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist Verantwortung!

Das Thema Nachhaltigkeit ist bei Schüßler-Plan fester Bestandteil der täglichen Arbeit in allen Fachbereichen. Dabei spielen nicht nur der Energieverbrauch eines Gebäudes in der Nuzungsphase, sondern auch die grauen Emissionen von Ingenieurbauwerken eine Rolle. Pejman Peyvandi ist Ingenieur in der Abteilung Hochbau und Teamleiter im Bereich Bauphysik bei Schüßler-Plan am Standort Düsseldorf. Als DGNB-Auditor und ESG-Manager befasst er sich mit Bauökologie, langfristigen Kosteneinsparungen und einer lebenswerten Umwelt für zukünftige Generationen.

Herr Peyvandi, wie definieren Sie den Begriff Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist die Übernahme von Verantwortung im heutigen Handeln für zukünftige Generationen. Im Bauwesen basiert Nachhaltigkeit auf den drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Aus unserer Sicht ist es für ein zukunftsfähiges Bauen unerlässlich, dass diese drei Bereiche gleichgewichtig berücksichtigt werden und Ressourcenschonung und Umweltschutz nicht zu Lasten der Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus oder der Wohn- und Lebensqualität gehen. Nachhaltigkeit ist oft ein Wechselspiel zwischen Suffizienz: mit weniger zufrieden sein, Effizienz: aus weniger mehr machen und Konsistenz: aktuelle Prozesse mit nachhaltigen Methoden realisieren.

Sie sind Experte für Bauphysik sowie DGNB-Auditor und ESG-Manager. Was hat sich in Ihrer täglichen Arbeit in den letzten Jahren verändert?

Die Nachfrage nach Nachhaltigkeitszertifikaten, wie von der DGNB, hat in den letzten ein, zwei Jahren stark an Aufmerksamkeit gewonnen. Mittlerweile wird für fast jede größere Immobilie eine solche Zertifizierung gefordert. Auch wir bei Schüßler-Plan haben schon vor längerer Zeit begonnen, uns intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen. Dabei haben wir uns zum Beispiel mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zusammengetan und großen Wert auf Fort- und Weiterbildung, auch in Bezug auf die Bauökologie, gelegt. Als DGNB-Auditor und ESG-Manager sind wir so in der Lage, Projekte vom ersten Gedanken an kompetent zu begleiten.

Sie sagen, dass Sie viel Wert auf die Bauökologie legen. Wie äußert sich das konkret in den Projekten?

Im Rahmen der bauphysikalischen Fachingenieurleistungen stand bisher oft der Energieverbrauch eines Gebäudes während des Betriebs im Fokus. Unserer Meinung nach ist es jedoch nicht mehr ausreichend, die ökologische Qualität eines Gebäudes nur an der Betriebsphase zu messen. Die Bauwirtschaft ist für einen erheblichen Teil der globalen Treibhausgas-Emissionen (CO2e) verantwortlich und auch die grauen Emissionen aus der Herstellung eines Gebäudes tragen wesentlich dazu bei. Um diesen Einfluss greifbar zu machen und in den Entscheidungsprozess einfließen zu lassen, unterstützen unsere Expert*innen für Ökobilanzberechnungen unsere Kund*innen bei der Bewertung der Biokompatibilität und des Emissionsverhaltens der eingesetzten Baustoffe über den gesamten Lebenszyklus.

Gibt es konkrete Maßnahmen, die Schüßler-Plan ergreift, um den CO2e-Fußabdruck in den eigenen Projekten und somit auch in der Branche zu reduzieren?

Wir tauschen dazu viele Informationen interdisziplinär aus und bekommen die notwendigen Freiräume für Diskussionen. Darüber hinaus haben sich in den einzelnen Abteilungen weitere Fachgruppen gebildet, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Die ökologische Qualität von Gebäuden kann oft schon mit einfachen Mitteln verbessert werden. Auch im Fachbereich Bauphysik beraten wir unsere Kund*innen und Projektpartner*innen zum Thema Nachhaltigkeit und bieten Informationsveranstaltungen an, um die häufig vorhandene „Angst“ vor einer nachhaltigeren Bauweise und damit verbundenen Mehrkosten zu nehmen.

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen mit Blick auf die EU-Taxonomie für Neubau- oder Sanierungsprojekte?

Mit der Einführung der EU-Taxonomie ist es für Investor*innen bei zukünftigen Projekten von großem Interesse, dass sowohl Neubau- als auch Sanierungsobjekte EU-Taxonomie-konform sind. Die Herausforderung besteht darin, ein allgemeines Verständnis für Nachhaltigkeit und ihre Bewertung im Bauwesen zu schaffen. Den Investor*innen müssen die Vorteile einer nachhaltigeren Bauweise klar aufgezeigt werden. Die Angst vor Mehrkosten im Vergleich zu einer konventionellen Bauweise ist oft die erste Sorge, was natürlich abschreckend wirken kann. In Zukunft wird es aber wichtig sein zu verstehen, dass nachhaltige Gebäude eine Qualitätssicherung und damit nachweislich eine höhere Nutzerzufriedenheit und Einsparungen bei den Betriebskosten bieten. Aus diesem Grund und im Interesse einer lebenswerten Umwelt für zukünftige Generationen raten wir dazu, bereits in einer frühen Projektphase eine*n Expert*in für Nachhaltigkeit hinzuzuziehen, um zusätzliche Kosten durch spätere Umplanungen zu vermeiden.

Sie haben bereits zahlreiche Hochbauten zertifiziert und bauphysikalisch optimiert. Wird sich Ihrer Einschätzung nach mit Einführung der EU-Taxonomie der Markt auch bezüglich der Bewertungen von Ingenieurbauten verändern?

Mit dem Ziel unserer Bundesregierung, bis 2045 treibhausgasneutral zu sein, ist eine generelle Betrachtung der Emissionen und damit die Schaffung von Referenzwerten zur Vergleichbarkeit dringend erforderlich. Darüber hinaus ist die EU-Taxonomie ein Rahmen für alle wirtschaftlichen Aktivitäten, sodass auch Ingenieurbauwerke einbezogen werden sollten.

Was muss sich noch ändern, um tatsächlich nachhaltiger zu werden? Und welche Rolle spielt dabei die Politik beziehungsweise die Gesetzgebung?

Zertifizierungen und Nachhaltigkeitsprüfungen werden vor allem wegen der Förderprogramme des Bundes gefordert. Deshalb brauchen wir Konsistenz in der Förderthematik und in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung. Die zahlreichen Änderungen der Förderbedingungen vor allem in den letzten zwei Jahren und die endlosen öffentlichen Diskussionen zum Beispiel über das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG2023) haben zu einer Verunsicherung in der Bevölkerung geführt. Eine klare Linie von Zertifizierungsprogrammen, Bundesförderung und EU-Taxonomie sowie eine verbindliche und schlagkräftige Förderstrategie wären sowohl für unsere Kund*innen als auch für uns als beratende Ingenieur*innen wünschenswert.

Wenn Sie sich im Kontext der Nachhaltigkeit etwas wünschen könnten, was wäre das?

Ich wünsche mir für die Zukunft einen interdisziplinären und konstruktiven Austausch im Bereich der Nachhaltigkeit, um einen echten Fortschritt und Gewinn für zukünftige Generationen im Bauwesen zu gewährleisten und nicht in ein Greenwashing zu verfallen. Dabei ist es wichtig, gerade in der Zusammenarbeit mit der Objektplanung, auch innovative neue Ansätze einzubeziehen oder gegebenenfalls altbewährte Bauweisen wie Fachwerkhäuser neu zu interpretieren. Ich bin sicher, dass wir gemeinsam einen Beitrag zum Wandel des Bau- und Immobilienmarktes hin zu einem angemessenen Qualitätsverständnis als Grundlage für verantwortungsvolles, nachhaltiges Handeln leisten können.

Interview / Pia Langmann
Fotos / Theodor Barth