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Magazin der Schüßler-Plan Gruppe

Ausgabe 25 | 2025 Die Kraft der Infrastruktur

Reportage | Brücken-Kompetenz

Westendbrücke Berlin

Die Autobahn A100 in Berlin gilt als die am stärksten befahrene in Deutschland. Allein in Richtung Hamburg verkehren täglich über 90.000 Fahrzeuge. Bis vor Kurzem verlief die Fahrbahn über die Westendbrücke sowie die südlich davon gelegene Ringbahnbrücke und querte Fern- und S-Bahngleise.

Nachdem sich aber im März 2025 ein Riss an der Ringbahnbrücke erheblich erweitert hatte, wurde zunächst dieses Bauwerk für den Autoverkehr und kurze Zeit später auch die darunter liegenden Gleise gesperrt. Dies hatte zum einen erhebliche Auswirkungen auf den öffentlichen Personennahverkehr, insbesondere auf die hochfrequentierte Ringbahn. Zum anderen musste der Verkehr Richtung Hamburg auf die Richtungsfahrbahn Süd der A100 verlegt werden, wodurch seither lediglich ein einziger Fahrstreifen in Richtung Norden zur Verfügung steht.

Projektdaten


Auftraggeber
DEGES Deutsche Einheit
Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH


Standort
Berlin


Technische Daten
Brückenlänge: 237 m
Breite: 18,60 m


Leistungen Schüßler-Plan
(in ARGE mit SSF Ingenieure AG)
Objekt- und Tragwerksplanung
Objektplanung Verkehrsanlagen


Um die Bahngleise schnellstmöglich wieder freigeben zu können, wurde der Abriss der Ringbahnbrücke unter Hochdruck vorangetrieben. Da sich die Westendbrücke im selben Streckenzug befindet und ohnehin ersetzt werden sollte, erfolgte auch deren Rückbau im April in außergewöhnlich kurzer Zeit. Dank dieser koordinierten Maßnahme konnte der Bahnverkehr nach nur viereinhalb Wochen wieder aufgenommen werden.

Neubau am neuen, alten Standort

Nun soll möglichst zügig der Neubau der Brücken erfolgen. Für beide Bauwerke lag bereits der Entwurf vor, wobei die Westendbrücke in Nebenlage mit Verkehr auf dem alten Bauwerk erstellt werden sollte. Durch die Verlegung des gesamten Verkehrs auf die Richtungsfahrbahn Süd der A100 war die vorhandene Entwurfsplanung nicht mehr umsetzbar. Nach Abbruch der alten Westendbrücke war ein Ersatzneubau am alten Standort möglich. In solchen Fällen ist in der Regel kein Planfeststellungsverfahren notwendig und ein früherer Baustart kann erreicht werden. 

Diese Möglichkeit wurde bei der Westendbrücke genutzt. Das erforderte allerdings die Erstellung eines neuen Bauwerksentwurfs, der in Rekordzeit von drei Monaten abgestimmt, durchgeplant und bis zur fertigen Vergabeunterlage ausgearbeitet wurde. Die Kenntnisse aus dem ursprünglichen Entwurf – insbesondere im Hinblick auf die komplexen Rahmenbedingungen wie die S-Kurve der Trassierung sowie die vorhandenen Gleise und Leitungen – konnten dabei eingebracht und genutzt werden.

Im Ergebnis wurde eine 6-feldrige Stahlverbundbrücke als Hohlkastenquerschnitt mit einer Gesamtlänge von 237 Metern geplant. Die Fertigstellung ist gemeinsam mit der benachbarten Ringbahnbrücke für den Sommer 2027 vorgesehen. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie wichtig partnerschaftliche Zusammenarbeit und flexibles sowie zielgerichtetes Denken sind. 

Text / Jens Völker