Magazin der Schüßler-Plan Gruppe
Ausgabe 25 | 2025 Die Kraft der Infrastruktur
Der kontinuierliche Ausbau des Nahverkehrsnetzes spielt bei der Stadtentwicklung in Frankfurt eine entscheidende Rolle, denn in der Metropole mit begrenztem Platz und großen Pendlerströmen entlastet es die Straßen, reduziert den Autoverkehr und trägt zu einer besseren Luftqualität bei. Der Bau der Stadtbahn Europaviertel ist eng mit der Transformation des ehemaligen Geländes des Hauptgüterbahnhofs verknüpft. Mit der Stilllegung des Areals in den 1990er-Jahren entstand die einmalige Chance, dort ein neues innerstädtisches Quartier zu entwickeln, das Wohnungen, Büroflächen, Grünanlagen und eine leistungsfähige ÖPNV Anbindung bietet.
Bei den Planungen der Stadtbahn entschieden sich die Verantwortlichen für eine Verlängerung der bestehenden Linie U5 und den Bau vier neuer Stationen – drei oberirdisch, eine unterirdisch. Von der insgesamt rund 2,7 Kilometer langen neuen Trasse verläuft rund die Hälfte der Strecke in einem Tunnel. Im Jahr 2017 begann der Bau des unterirdischen Streckenabschnitts, eine technisch anspruchsvolle Herausforderung. Inmitten der Innenstadt zwischen vielen Hochhäusern ist der Platz begrenzt, die logistischen Anforderungen sind enorm, die geologischen und hydrogeologischen Verhältnisse anspruchsvoll und auf kürzester Strecke inhomogen.


Diese Herausforderungen galten auch beim Bau der einzigen Tiefstation „Güterplatz“. Deren Baugrube erreichte im April 2024 mit 24 Metern unter Gelände ihre Endtiefe, sodass die Herstellung der Bauwerkssohle beginnen konnte. Nach Abschluss dieser Arbeiten im Dezember 2024, begannen die weiteren Rohbauarbeiten der Station. Um den 180 Meter langen, bis zu 30 Meter breiten und über 20 Meter tiefen Stationskörper bei der Herstellung gegen den Erd- und Wasserdruck von außen zu sichern, mussten die Stahlbetonsteifen der Baugrube durch eine Umsteifungsebene aus Stahlrohren ersetzt werden. Schon bald sind die Außenwände bis zur Endhöhe fertiggestellt. Aktuell wird die Stationsdecke abschnittsweise betoniert.
Mit Inbetriebnahme der Station zählt sie dann zu einer der wichtigsten Haltestellen auf der Strecke, dient sie doch als Verbindungspunkt zwischen der Innenstadt, dem Stadtteil „Gallus“ und dessen neuem Stadtquartier „Europaviertel“. Neben der Verkehrsfunktion zeichnet sich die Station durch eine überzeugende Architektur aus: Ein weitläufiger, stützenfreier Raum, freundliche Lichtverhältnisse und ein barrierefreier Zugang verleihen der Station ihren besonderen Charakter. Nach heutigem Stand geht die Bahn 2029 in Betrieb – dann können sich die Fahrgäste einen eigenen Eindruck von Strecke, Station und Architektur machen. Die derzeit noch offene Baugrube ist dann verschwunden und lässt die Ingenieurleistungen, die beim Bau der Strecke und der Station notwendig waren, nur noch erahnen.