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Magazin der Schüßler-Plan Gruppe

Ausgabe 26 | 2026 Bauen mit Bestand

Reportage l Central Cross

Ein neues Gesicht für das Central Cross

Einem leerstehenden zwölfgeschossigen Bürohochhaus aus den 1960er-Jahren am Friesenplatz in Köln wird neues Leben eingehaucht: Büros und Einzelhandelsflächen entstehen. Dabei bleiben 70 Prozent des Bestandsgebäudes erhalten, 2.000 Tonnen CO2-Emissionen werden eingespart. 

Projektdaten


Auftraggeber
Quantum Immobilien AG und
Proximus Real Estate AG


Standort
Köln


Architekt
kadawittfeldarchitektur


Technische Daten
Oberirdische Geschosse: 12
Unterirdische Geschosse: 2
BGF: 17.681 m²
Mietfläche: 12.580 m²
BRI: 35.652 m³


Leistungen Schüßler-Plan
(Auszug inkl. Leistungen
ICG und Reducta)
Tragwerksplanung
Baugrunderkundungen
Geotechnischer Bericht
Objekt- und Tragwerksplanung
Baugrube
Rückbau- und Entsorgungskonzept
Mitwirkung im Vergabeprozess
Fachtechnisches Controlling

Das Central Cross steht an prominenter Stelle im Herzen Kölns. Unmittelbar am U-Bahn- und Straßenknotenpunkt Friesenplatz gelegen und lediglich 1,5 Kilometer von Dom und Hauptbahnhof entfernt, genießt es eine ausgezeichnete Anbindung. Das Bestandsgebäude entsprach jedoch nicht mehr den heutigen Anforderungen: Niedrige Geschosshöhen und eine begrenzte Tragfähigkeit prägten seinen Zustand. Nach jahrelangem Leerstand schien ein Abriss mit anschließendem Neubau unausweichlich. Doch schließlich wird ein Großteil des Gebäudes erhalten bleiben – wie kam es zu dieser Wendung?

Im Mai 2021 erhielt Schüßler-Plan den Auftrag für die tragwerksplanerische Bearbeitung des Projektes. Im weiteren Verlauf wurden Schüßler-Plan sowie die Tochterunternehmen ICG Ingenieure und Reducta mit weiteren Leistungen beauftragt. Trotz der architektonischen und technischen Einschränkungen ist es in enger Zusammenarbeit mit kadawittfeldarchitektur gelungen, ein Konzept zu entwickeln, um das Gebäude zu erhalten.

Das Hochhaus, sein fünfgeschossiger Annex und die Bebauung im Innenhof bleiben erhalten. Um weitere Büroflächen zu generieren, wird der Innenhof zur Hälfte um drei Geschosse aufgestockt. Der Flachbau am Friesenwall ist für die vorgesehene Aufstockung nicht ausreichend tragfähig und wird daher durch einen drei Geschosse höheren Neubau ersetzt. Das neue Ensemble besteht somit nach Fertigstellung aus drei Baukörpern: dem Bestandshochhaus, seinem Annex und einem Ergänzungsbau am Friesenwall. Rückseitig umfassen die drei Gebäude einen begrünten Innenhof über dem Erdgeschoss.

Die Bestandsgebäude werden bis auf die Tragstruktur rückgebaut und die massiven Betonbrüstungen abgerissen, um Platz und Lastreserven für eine filigrane, vertikal geschuppte Doppelfassade zu schaffen. Die neue Fassade verbessert nicht nur die Belichtung und die Schallisolierung, sondern mindert auch den Energieverbrauch im Gebäudebetrieb. Das neue, nachhaltige Energiekonzept basiert zudem auf einer Außenluft-Wärmepumpe, einer Photovoltaik-Anlage auf den Dächern und einer Regenrückhaltung auf dem Gründach für den Kühleffekt an heißen Sommertagen.


360-Grad

Nicht nur die Nachhaltigkeit, sondern auch die Aufenthaltsqualität ist zentral beim Umbau: Das Hochhaus wird um ein Staffelgeschoss aufgestockt und die hochgezogene Fassade erlaubt die Nutzung als Dachterrasse mit einem 360-Grad-Blick über die Stadt. Der Rücksprung Richtung Hohenzollernring wird zudem um ein Geschoss erweitert, sodass sich die städtebauliche Situation entspannt. Im Inneren des Gebäudes wird das bestehende Treppenhaus umgebaut und ein zusätzlicher Aufzugskern eingebaut. Dabei stellt die abweichende Lage der Aussteifungsbewehrung zu den vorhandenen Planunterlagen eine besondere Herausforderung dar.

In der Ostfassade des Hochhauses werden darüber hinaus Randstützen durch eine Abfangkonstruktion ersetzt, um einen großzügigeren Durchgang zum Neubau zu schaffen. Dadurch, dass in den 60er-Jahren die Betonqualität weniger überwacht wurde, erreichten einzelne Stützen nicht die planmäßige Betongüte und müssen mit Stahlträgern verstärkt werden.

Die neue Innenhofbebauung und die erforderliche Nutzlasterhöhung für das Ladenlokal im Erdgeschoss werden durch Ertüchtigung zweier Pilzkopfdecken und mehrerer Stützen realisiert. Die Deckenertüchtigung erfolgte mit CFKLamellen auf der Unterseite. Bei den Pilzköpfen müssen oberseitig Bewehrung in erstellte und ausbetonierte Schlitze zugelegt werden. Zudem ist die Querkrafttragfähigkeit nicht ausreichend, sodass Schubverbinder in von oben erstellten Bohrlöchern eingebaut werden.

Durch urbane Mobilität, flexible Büroräume, grüne Außenbereiche und einen nachhaltigen Gebäudebetrieb erreicht das Central Cross somit auch die gesetzten ökologischen Ziele. Im Rahmen der Transformation werden demnach sowohl der Lebenszyklus des Gebäudeensembles als auch ästhetische und soziale Aspekte zum Vorteil des Gemeinwohls berücksichtigt. So gelingt es durch konsequentes Weiterdenken, dem Bestand in Kombination mit einem Neubau gekonnt neues Leben zu geben.


Ausflug in die Baugrube

Der Neubau zum Friesenwall erfordert den Abbruch des Bestandes und die Errichtung einer Baugrube. Im Norden grenzt die Baugrube zur Magnusstraße hin an die älteste U-Bahn-Station in Köln und die Tunnelröhren verlaufen fast unmittelbar an der Grundstücksgrenze. Auf dem östlich verlaufenden Friesenwall sind zahlreiche Bestandsleitungen und tiefliegende Entwässerungskanäle zu berücksichtigen. Im Süden ist die Nachbarbebauung durch das Kino „Rex am Ring“ geprägt und die westliche Seite der Baugrube ist durch das eigene Bestandsgebäude begrenzt. Innerhalb der Baugrube ist darüber hinaus archäologischer Bestand zu erwarten. Die Baugrubensicherung erfolgt mittels Verbauten in Form von Trägerbohlwänden und Bohrpfahlwänden, welche entlang des Friesenwalls rückverankert und im Einflussbereich der U-Bahn und des Kinos nach innen ausgesteift werden. In Teilbereichen werden Bauteile der bestehenden Bebauung für die Baugrubensicherung genutzt. Entlang des angrenzenden Bestands ist eine Düsenstrahl-Unterfangung zur Herstellung der Baugrube erforderlich. Infolge des unterhalb des Neubaus in Teilbereichen anstehenden locker gelagerten Baugrunds, sind im Zuge der Herstellung der Baugrube Maßnahmen zur Baugrundverbesserung (Bodenaustausch) zu berücksichtigen.

Trotz der komplexen Anforderungen des Baufelds und der vielen Schnittstellen zu den einzelnen Gewerken lief das Projekt für den Bauherrn vollkommen schnittstellenfrei ab.

Text / Mario Bischoff
Visualisierungen / altshift