Magazin der Schüßler-Plan Gruppe
Ausgabe 26 | 2026 Bauen mit Bestand


Wenn wir unsere Kompetenzen bündeln, stärken wir nicht nur jedes einzelne Projekt, sondern auch unser gesamtes Unternehmen.
Markus Krah ist Teamleiter im Hochbau bei Schüßler-Plan und bereits seit 2007 Teil des Unternehmens. Als staatlich anerkannter Sachverständiger für Schall- und Wärmeschutz und zertifizierter Bauwerksprüfer im Hochbau der IK-Bau NRW sowie zertifizierter sachkundiger Planer für Betoninstandhaltung ist er Experte für Bauen im Bestand.
Bestehende Strukturen weiterwachsen lassen
Das erste Seminar der Schüßler-Plan Akademie zum Thema Bauen im Bestand fand 2017 statt. Geleitet wurde es von Jürgen Schnell von der TU Kaiserslautern und Martina Schnellenbach-Held von der Universität Duisburg-Essen. Seit 2021 führt Markus Krah die Schulung durch: Fokus ist, praxisnah Wissen zu vermitteln, Risiken frühzeitig zu erkennen und nachhaltige sowie wirtschaftliche Lösungen im Bestand sicher umzusetzen.
„Die Vielzahl an Herausforderungen, der Umgang mit Unsicherheiten im Bestand und die Notwendigkeit, im laufenden Bauprozess flexibel zu reagieren, lassen sich nicht allein aus Lehrbüchern erschließen. Mein Ziel ist es, die gewonnenen Erfahrungen transparent zu teilen und mein Wissen zu Umbau- und Bestandsprojekten an meine Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben“, so Krah. Wissenstransfer ist für ihn ein Baustein erfolgreicher Zusammenarbeit.
Seit dem Sommersemester 2025 hält er zudem Vorlesungen an der TU Dortmund im Fachbereich Massivbau. Dadurch werden praktische Erfahrungen mit wissenschaftlichen Grundlagen verbunden und Studierende frühzeitig für die Besonderheiten des Bauens im Bestand sensibilisiert.
Schüßler-Plan Akademie
Schulung Bauen im Bestand
2025 in Frankfurt
2024 in Berlin
2024 in Düsseldorf
2021 in Düsseldorf
2017 in Düsseldorf (noch extern durchgeführt)
Immer auf den neusten Stand der Technik
aktualisiert und um aktuelle Projekte
und Herausforderungen erweitert.
Tipps von Markus Krah
Das Thema „Bauen im Bestand“ gewinnt an Bedeutung und es geht darum, Potentiale zu erkennen. Die Revitalisierung von Bestandsgebäuden eröffnet Möglichkeiten, bestehende Tragstrukturen weiter zu nutzen und damit wertvolle Ressourcen und CO2-Emissionen einzusparen. Die bestehende Tragstruktur eines Gebäudes zu verstehen, ist eine spannende Aufgabe, da die Bestandsunterlagen oftmals nicht mit dem tatsächlichen Gebäudebestand übereinstimmen oder gar nicht vorhanden sind. Es stellt sich die Frage, ob ein Gebäude den aktuellen Bauvorschriften und den Anforderungen an die Nutzung noch genügt. Hier spielt die Einordnung der Bau- und Baustofftechnik, der Sicherheitsaspekte sowie von Normen eine wichtige Rolle. Eine qualifizierte Zustandserfassung der Bestandskonstruktion ist entscheidend, um Reserven in der Konstruktion des Gebäudes zu erkennen.
Bestandsaufnahme ist entscheidend
Ohne präzise Analyse des vorhandenen Gebäudes (Bauzustand, Tragwerk, Schadstoffe) ist keine verlässliche Planung möglich. Deshalb bildet ihre sorgfältige und systematische Bestandsaufnahme den Kern jeder Planung im Bestand. Zudem lassen sich ohne ein zuverlässiges Verständnis der vorhandenen Tragwerke – ihrer Materialien, ihrer Lastabtragung und ihrer Schwachstellen – weder Umbauten sicher bewerten noch wirtschaftliche Sanierungskonzepte entwickeln. Nicht selten weichen Bestandsmaterialien erheblich von den ursprünglichen Planungsannahmen ab.
Überraschungen und Flexibilität
Bauen im Bestand unterscheidet sich grundlegend vom Neubau. Nicht, weil es komplizierter ist, sondern weil es unkalkulierbare Faktoren enthält, die erst im Projektverlauf sichtbar werden. Überraschungen sind ein struktureller Bestandteil der Bauaufgabe und entstehen nicht durch sorglose Vorbereitung oder unzureichende Planung, sondern weil der Bestand oft nicht vollständig sichtbar ist, bevor die Maßnahmen beginnen. Damit wird Bauen im Bestand zu einer dynamischen Aufgabe: Planung und Ausführung entwickeln sich parallel, Entscheidungen müssen flexibel und faktenbasiert getroffen werden.
Rechtliche Grauzonen
Bauen im Bestand bedeutet nicht nur technische, sondern auch rechtliche Herausforderungen. Während Neubauprojekte vollständig nach aktuellen Normen, Vorschriften und Richtlinien geplant werden, bewegen sich Maßnahmen im Bestand in einem Spannungsfeld aus alten Bauordnungen, historischen Standards und heutigen gesetzlichen Anforderungen. Dadurch entstehen rechtliche Graubereiche, die präzise abgeklärt und projektspezifisch bewertet werden müssen. Je früher Bauherren, Planende und ausführende Unternehmen das Gespräch mit Behörden, Prüfstatikern und Brandschutz-dienststellen suchen, desto besser lässt sich das Spannungsfeld zwischen Bestand und Anforderungen beherrschen.
Nachhaltigkeit als Hauptargument
Weiterbauen statt Abreißen spart enorme Mengen CO2. Durch den ressourcenschonenden Umgang mit Rohstoffen wird das Thema „Bauen im Bestand“ zukünftig gegenüber Neubauten immer wichtiger werden.
→ Die vorhandene Bausubstanz steht zu Projektbeginn häufig im Widerspruch zu den Wünschen des Bauherrn, den Normen und Bauvorschriften. Diesen Widerspruch aufzulösen, macht das Bauen im Bestand zu einer spannenden Aufgabe. Der Erfolg eines komplexen Umbauprojektes stützt sich neben einer detaillierten Bestandserfassung auch auf eine konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten, da der technische Abstimmungsbedarf im Vergleich zu Neubauprojekten deutlich erhöht ist. Alle Beteiligten müssen die Belange der anderen Planungspartner verstehen und bereit sein, Kompromisse einzugehen. All dies ist letzten Endes mitentscheidend für den Projekterfolg eines Umbaus.