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Magazin der Schüßler-Plan Gruppe

Ausgabe 22 | 2024 Alles klar!

Reportage l Revitalisierung

Mark 51°7: Stehaufmännchen

Die circa 70 Hektar große Fläche des ehemaligen Opelwerks im Bochumer Osten ist ein Musterbeispiel für gelungene Flächenkonversion. Der Ort erfindet sich immer neu und bringt sich selbst wieder in aufrechte Lage. Trotz viel Fläche musste das Projektmanagement mit wenig Platz arbeiten.

Schon im 18. Jahrhundert befand sich auf dem Gelände des ehemaligen Opelwerks im Bochumer Osten eine der zahlreichen Zechen mit einem Kokereistandort. Erste bergbauliche Aktivitäten der späteren Zeche Dannenbaum wurden bereits im Jahr 1736 erwähnt. Die sich 1950 abzeichnende Absatzkrise im Bergbau führte in Bochum zu den ersten Stilllegungen. Innerhalb von fünf Jahren sank die Zahl der im Bergbau Beschäftigten um die Hälfte. Die Zeche Dannenbaum wurde 1958 stillgelegt.

Im Jahr 1960 entschied sich Opel, die freiwerdenden Flächen für den Bau eines neuen Werkes zu nutzen. Für Bochum sprach die gute Anbindung innerhalb des Ruhrgebietes als industrielles Ballungszentrum mit einem großen Arbeitskraftpotential. Die Stadt unterstützte den dringend erforderlichen Strukturwandel dadurch, dass sie die Flächen 1958 aufkaufte und für Opel die Abbruchkosten und das Bergbaurisiko übernahm. Das Werk eröffnete 1963. In Spitzenzeiten bauten die über 12.000 Mitarbeitenden hier rund 300.000 Autos pro Jahr.

Goldgräberstimmung

Eine persönliche Anekdote: Mein Schwiegervater Hugo Koesters wurde von der damaligen Goldgräberstimmung angelockt. Geboren 1934 im ländlichen Münsterland, absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Webermeister. Die aufblühende Stadt Bochum – zeitgleich wurde auch die Ruhr-Universität gegründet – zog ihn wie viele andere junge Menschen an. Noch währendder Errichtung des Opelwerkes wurde er „Opelaner“ und gehörte bei der Betriebsaufnahme zur ersten Belegschaft. Er ging 1998 in Rente. Die Stilllegung des Opelwerks 2014 hat er nicht mehr erlebt.

Die Autoverladung auf dem heutigen MARK 51°7-Gelände wurde schließlich 2019 abgerissen. Dort verbrachte mein Schwiegervater praktisch sein gesamtes Arbeitsleben, zuletzt als Leiter der Fahrzeugdisposition und Auslieferung. Mit der Tatsache, dass ich als Teammitglied bei Schüßler-Plan an der Umnutzung der Flächen mitwirke, schließt sich nun auch der Kreis innerhalb meiner Familie. 

Projektdaten


Standort
Bochum


Auftraggeber
Bochum Perspektive GmbH


Technische Daten
70 ha Gesamtprojektfläche
44 ha Nettobaulandfläche
41,5 ha Projektfläche
2. + 3. Bauabschnitt
41,5 ha Bergbauliche Sicherung/
Altlastensanierung/Baureifmachung
2. + 3. Bauabschnitt
1,5 km Kanal- und Straßenbau
2. + 3. Bauabschnitt
7 ha Parks und Grünzüge
2. + 3. Bauabschnitt


Leistungen Schüßler-Plan
Projektmanagement
Projektsteuerung
Projektcontrolling
Kosten- und Terminmanagement
Risikomanagement
Qualitätsmanagement
Fördermittelmanagement
Vergabemanagement

Drittes Leben

Mit MARK 51°7 erhält die Fläche ihr drittes Leben. Unter der Projektentwicklung der Bochum Perspektive GmbH entsteht mit der Ansiedlung forschungsnaher Institute und innovativer Unternehmen ein neues Quartier als Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft. Angebunden ist das Areal über den Opelring und die Wittener Straße sowie einen neuen Straßenbahnanschluss. Die 45.000 Quadratmeter Freianlagen sorgen zudem für eine hohe Aufenthaltsqualität. Zahlreiche Kaufanfragen zeigten das große Interesse der Investoren, die Flächen frühzeitig zu bebauen und zu nutzen. Die Übergabe der fertigen Grundstücke findet Zug um Zug mit der an anderen Stellen noch laufenden Altlastensanierung statt.

Die Baureifmachung und Erschließung der Grundstücke erfolgen also parallel zur Errichtung der investorenseitigen Hochbauten. Durch die parallel stattfindenden Baumaßnahmen verknappen sich die Räume für die Zwischenlagerung von Materialien und die Bauabwicklung der Baureifmachung immer mehr. Letztlich gibt es auf der riesigen Fläche immer weniger Bewegungsund Lagerflächen, was das Projektmanagement und die Baulogistik permanent vor große Herausforderungen stellt.

Schüßler-Plan ist seit Ende 2017 mit der Projektsteuerung für den Rückbau, die Baureifmachung, die Erschließung und die Freianlagen betraut. Im Januar 2023 wurde die 800 Meter lange Suttner-Nobel-Allee als zentrale Erschließungsachse mit zwei Straßenbahnhaltestellen dem Verkehr übergeben. Die Baureifmachung des 2. und 3. Bauabschnittes wird voraussichtlich im Sommer 2024 abgeschlossen. Daran schließt sich die Fertigstellung der Parkflächen an. 

Text / Jochen Kieserling
Foto / Bochum Perspektive GmbH